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Montag, der 06. September 2010
Wie sind wir zum barfen gekommen? Kurz gesagt durch Sirius. Bevor
er einzog hatten wir uns natürlich bereits über die Fütterung von Hunden schlau
gemacht und für uns stand fest unser Hund(e) soll ein gutes Trockenfutter
bekommen.
Da Sirius Züchterin zudem auch Tierheilpraktikerin ist (und in ihrer
Berufserfahrung bereits einige Erfahrungen mit Fertigfutter sammeln konnte)
haben wir uns dort auch noch ein wenig über die einzelnen Futtersorten aufklären
lassen. Zudem haben wir bei ihr das erste Mal von Barf überhaupt gehört. Sie
selber ist überzeugter Barfer. Ich fand es damals nur ekelig.
Nun ja, der Tag als Sirius bei uns einzog kam. Und ein langer Monat des Testens
war die Folge. Sirius wollte einfach kein Trockenfutter fressen. Also haben wir
nach einem guten Nassfutter gesucht. Aber auch das wollte er nicht anrühren.
Beides gemischt schon mal gar nicht.
Er hat sich 4 Wochen nur von Leckerchen und Kauknochen ernährt. Das konnte es ja
wohl nicht sein.
Also haben wir uns an den PC gesetzt und alles was wir zum Thema Barf finden konnten ausgedruckt. Durch einen glücklichen Zufall haben wir keine 5 km von uns auch noch einen Fachhandel für Rohfütterung gefunden. Da Sirius ja irgendwann mal vernünftig fressen sollte, wollten wir diese Methode der Fütterung wenigstens einmal ausprobieren. Und siehe da, Sirius frisst mit Genuss.
Seitdem haben wir uns weiter in dieses Thema eingelesen. In unseren Anfängen waren wir oftmals verunsichert und haben während der Zubereitung immer noch mal nachgelesen ob wir auch nichts vergessen. Nach nun mehr als zwei Jahren barfen, ist alles so in Fleisch und Blut über gegangen, dass wir unsere anfängliche Sorge, dem Hund könnte irgend etwas fehlen, überhaupt nicht mehr nachvollziehen können. Wir sind sicherlich keine Pedanten was das barfen angeht. Wir wiegen also nicht jedes Milligramm ab. Denn beim barfen geht es nicht darum jeden Tag ausgewogen zu füttern sondern über einen Zeitraum von etwa vier Wochen ausgewogen zu füttern. Auch gibt es bei uns ab und zu auch mal Trockenfutter, meist als Leckerchen zwischendurch oder in der Hundeschule. Seitdem die Hauptfütterung aus Barf besteht nimmt Sirius sogar Trockenfutter über kurze Zeiträume an.
Wie wir füttern/Was ist zu beachten?
Ein ausgewachsener Hund benötigt etwa 2% seines Körpergewichts an
Futter, das auf 1-2 Mahlzeiten aufgeteilt werden kann. Darin enthalten ist
Fleisch, Obst und Gemüse und, wenn man nicht auf das Getreide verzichten möchte,
auch Getreide. Wir füttern in der Regel ohne Getreide. Die Zusammensetzung des
Futters besteht aus ca. 3/4 Fleisch und Knochen sowie 1/4 Obst und Gemüse.
Als ungefähre Richtlinie für Anfänger sollten ca. 4 Mahlzeiten die Woche aus
fleischigen Knochen bestehen (sprich mehr Fleisch als Knochen, damit ausreichend
Magensäfte produziert werden um die Knochen verdauen zu können).
Die genaue Futtermenge ist jedoch von Tier zu Tier unterschiedlich und kann auch
aufgrund von Aktivität und „sportlicher Belastung“ stark variieren. Mit ein
bisschen Fingerspitzengefühl kann man jedoch recht schnell die richtige Menge an
Futter bestimmen.
Das Fleisch sollte wenn möglich aus ganzen Stücken bestehen (also nicht gewolft
sein).
Einige Vorteile die aus der Verfütterung von großen Fleischtücken resultieren sind unter anderem:
- Die Hunde können nicht mehr schlingen da die Fleischstücke zu groß sind - Die Hunde reinigen ihre Zähne durch das intensive kauen der Fleischstücke, daraus resultiert eine geringere Zahnsteinbildung - Die Kaumuskulatur wird gestärkt
Einmal die Woche kann ein fleischloser-/Fastentag eingelegt
werden.
Knochen sollten niemals gekocht, gedünstet, gegrillt oder gebraten gefüttert
werden. Diese Knochen splittern leicht und können schwere Verletzungen
verursachen, zudem sind sie dann unverdaulich für die Hunde.
Achtung: Schwein (auch Wildschwein) sollte nicht gefüttert
werden, da es die Gefahr des aujeszkyschen Virus birgt. Dieser ist tödlich für
Hunde. Wenn man dennoch unbedingt Schweinefleisch füttern möchte, dann bitte gut
abgekocht, wobei dabei die meisten Nährstoffe verloren gehen.
Innereien sind ein sehr wertvoller Bestandteil in der Rohfütterung. Grüner
(ungewaschener) Pansen ist zudem auch sehr wertvoll an Nährstoffen. Zudem kenne
ich keinen Hund, der keinen Pansen mag. Innereien wie Leber oder Nieren sollten
jedoch nicht zu häufig auf dem Speiseplan stehen (maximal 1 Mal die Woche), da
sie der Entgiftung der Futtertiere dienten. Herz zählt nicht zu den Innereien,
da es aus reinem Muskelfleisch besteht. Dies macht er sehr zäh und ist somit
bestens zur Zahnreinigung geeignet. Fell und Flaum sollten mit gefüttert werden,
da es die Darmreinigung unterstützt.
Das Gemüse/Obst sollte immer in pürierter Form gefüttert werden,
da der Hund nicht in der Lage ist, die Zellwände aufzubrechen und somit keine
Chance hat, die wichtigen Vitamine aufzuschlüsseln. Zudem sollte das Gemüse roh
püriert werden, da es beim Kochen oder Dünsten die meisten Nährstoffe und
Vitamine verliert. Als pflanzliche Bestandteile sind leider recht wenige
Gemüsesorten geeignet.
Auf alle Kohlsorten sollte gänzlich verzichtet werden, da sie Blähungen
verursachen. Dasselbe gilt auch für Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen),
Nachtschattengewächse (z.B. Tomaten oder Paprika) sowie Zwiebelgewächse. Sie
können toxisch für Hunde sein.
Die Gabe von Knoblauch ist unter Barfern recht umstritten. Einige schwören
darauf und sind der Überzeugung, dass es gut gegen Zecken ist. Ich jedoch
füttere es nicht, da es zur Gruppe der Zwiebelgewächse gehört.
Besonders wertvoll ist grünes Gemüse.
Als Obst eignet sich jede Obstsorte, einzige Ausnahme sind hier Zitrusfrüchte.
Auch beim Obst wird oftmals diskutiert ob man Trauben oder Rosinen füttern
darf/sollte.
Trauben (oder auch die getrocknete Form Rosinen) sind toxisch für Hunde ab
welcher Menge ist jedoch von Hund zu Hund unterschiedlich. In unseren Anfängen
haben unseren Hunden einmal im Monat 3-4 Rosinen gefüttert. Seit dem ich aber
gelesen habe, dass diese tödlich sein können verzichte ich darauf.
Es gibt wasserlösliche Vitamine und Vitamine die nur fettlöslich sind. Aus
diesem Grund sollte das Obst und Gemüse immer mit ca. einem Teelöffel Öl gegeben
werden.
Die Öle sollten zudem immer wieder gewechselt werden.
In unserem Schrank sind deshalb folgende Ölsorten zu finden:
-
Distelöl (besonders gut für das Fell)
-
Olivenöl (besonders reich an ungesättigten Fettsäuren)
-
Lachsöl
-
Schwarzkümmelöl
-
Lein(samen)öl (besonders reich an Omega-3-Fettsäuren)
-
Rapsöl (besonders reich an Omega-3-Fettsäuren)
Nachtkerzenöl ist auch geeignet. Dies ist jedoch aufgrund des
Preises bei uns nur selten im Futter.
Zudem haben wir auch Dorschlebertran, der besonders im nasskalten Wetter zum
Einsatz kommt, da er die Abwehrkräfte stärkt.
Neben Fleisch kann auch einmal die Woche frischer Fisch gefüttert werden. Vor allem Tiefseefische sind gesund für Hunde. Fische können ganz verfüttert werden (also auch Kopf, Flossen und Gräten). Für die Gräten gilt dasselbe wie bei Knochen, sie sollten weder gekocht, gebraten, gegrillt oder gedünstet werden.
Zudem füttern wir auch Quark, Jogurt und Käse (vor allem
Hüttenkäse und Schafskäse). An fleischfreien Tagen machen wir für die Hunde
schon mal einen Obstjogurt (verschiedene Obstsorten pürieren und einen Schuss
Honig dazugeben. Diesen Brei vermengen wir dann mit Naturjogurt). Ab und zu gibt
es auch rohe Eier mit unters Futter. Die Schale sollte wenn möglich mit
gefüttert werden. Das ist wichtig, besonders wenn man nicht so viel Knochen
füttert. Wird die Eischale nicht mit gefressen, kann man sie mit in den Mixer
legen und zerkleinert im Gemüse mit füttern. Eine andere Möglichkeit ist es die
Eischalen zu trocknen und sie anschließend zu einem Pulver zu zerkleinern.
Dieses Pulver kann man dann wiederum über das Essen streuen.
Nüsse und getrocknete Kräuter (Käutermischungen gibt es im Handel) bereichern
zusätzlich den Futterplan.
Fleisch und Gemüsebrei kann ohne Bedenken in einer Mahlzeit verfüttert werden.
Jedoch sollten niemals Fleisch und Getreide zusammen verfüttert werden. Zwischen
einer Fleischmahlzeit und einer Getreidemahlzeit sollten immer mindestens 6
Stunden liegen, da der Hund zum Verdauen des Getreides wesentlich mehr Zeit
benötigt als zum Verdauen des Fleisches.
Bei einer abwechslungsreichen Fütterung sind zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe nicht nötig. Es können jedoch, je nach Bedarf, Kuren gemacht werden, z.B. zur Entgiftung, falls der Hund zu viel Aas fressen sollte. Diese sollten jedoch mit einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker vorher besprochen werden.
Was kostet barfen?
Im Allgemeinen kann man sagen, dass Barfen genauso teuer ist wie
das Verfüttern von einem hochwertigen Industriefutter. Je nach dem woher man das
Fleisch bezieht und vor allem in welcher Qualitä,t gibt es natürlich auch hier
eine große Preisspanne.
Wir zahlen für zwei Hunde etwa 60-70 € im Monat. Wobei das teuerste am Barfen
das Obst und Gemüse sowie die verschiedenen Ölsorten sind. Je ausgefallener, um
so teurer ist es auch.
Hier noch etwas zur Futtermittelindustrie:
Wie bereits gesagt, habe ich mich in den letzten zwei Jahren
immer mal wieder intensiv mit dem Thema Ernährung befasst und habe festgestellt,
dass das Barfen die für mich beste Art der Ernährung ist. Leider habe ich viel
Negatives über Industriefutter gelesen so, dass mich der Gedanke, meine Hunde
ausschließlich mit Trockenfutter zu ernähren, stark zweifeln lässt.
Fangen wir mal bei dem äußeren Eindruck an. Wenn ich in den Napf meiner Hunde
schaue, kann ich genau erkennen was sie da fressen. Ich kann eindeutig sagen das
ist ein Stück Fleisch, das ist Gemüsebrei, das sind Kartoffeln…
Nehme ich mir jetzt ein Stückchen Trockenfutter kann ich das leider nicht. Das
einzige was ich dazu sagen kann ist, dass es ein braunes (rotes, …) Stück
gepresstes irgendwas ist. Auch im Nassfutter kann ich die einzelnen Bestandteile
gar nicht oder nur mit Phantasie und raten erkennen.
Auf der anderen Seite haben wir die einzelnen Inhaltsstoffe. Nehmen wir als
erstes mal die tierischen Nebenerzeugnisse.
Tierische Nebenerzeugnisse sind nichts anderes als Körperteile die der
Mensch nicht essen würde und auch oftmals nicht der Hund wie z.B. Hufe, Federn,
Hörner, Fette, Schnäbel, Füße, Krallen oder Knochen.
Natürlich verfüttern Barfer auch Knochen, Fett oder Federn. Aber in einer
anderen Relation. Auf die Idee meinen Hunden Hufe vorzusetzen, bin ich bislang
noch nie gekommen.
Zudem wird das Ganze mehrere Stunden gekocht, um darin enthaltenen Schadstoffe
abzutöten. Anschließend wird es dann zu Mehl verarbeitet um es besser
verarbeiten zu können. Dieses Tiermehl ist dann der tierische Anteil im Futter
unserer Lieblinge. Der Rest besteht aus, ich nenne sie mal Füllstoffe,
die für einen Karnivoren meist nur schwer bis gar nicht verdaulich sind. Zudem
werden Stoffe hinzugefügt, die den Kot bräunlich färben (was den Menschen denken
lässt, dass es eine gesunde Ernährung ist) und das Futter länger im Darm hält,
damit der Hund überhaupt in der Lage ist festen Kot zu bilden.
Hinter Inhaltsstoffen wie z.B. Zellulose verbirgt sich letztendlich
nichts anderes als Sägespäne oder ähnliche pflanzliche Bestandteile. Sie ist
nicht verdaulich. Und was sie nutzen soll, weiß ich nicht. Sie macht jedoch die
Verarbeitung und das Portionieren des Futters einfacher und streckt dieses
oftmals nur.
Wichtig für viele Käufer eines Industriefutters ist der Rohproteingehalt.
Der Stickstoff im Rohprotein resultiert zu einem großen Teil aus der
Verarbeitung von Hufen, Hörnern oder Schnäbeln. Nach der deutschen Gesetzgebung
ist es möglich, dass alle Inhaltsstoffe die weniger als 4% der Gesamtmenge
ausmachen, nicht deklariert werden müssen. Sprich nur weil es nicht auf der
Verpackung steht, heißt das nicht, dass es nicht auch im Futter enthalten ist.
Dazu gehören auch die Konservierungsstoffe. Sie stehen meist nicht auf
der Verpackung, aber wie sonst ist es möglich, ein Futtermittel ein Jahr oder
länger haltbar zu machen? Menschliche Lebensmittel sind nur einige wenige Tage
haltbar, wie schafft es also die Tierindustrie? Konservierungsstoffe können die
Bildung von weißen Blutkörperchen behindern, erhöhen das Krebsrisiko, schwächen
das Immunsystem oder verhindern die Aufnahme von Glukose in den Blutkreislauf.
Wichtige Omega-3-Fettsäuren fehlen im Fertigfutter gänzlich, da es nicht
möglich ist diese haltbar zu machen, auch nicht mit Konservierungsstoffen.
Trotzdem stehen sie auf der Verpackung drauf, was daraus resultiert, dass sie
künstlich hinzugefügt wurden. Aber bis das Futter beim Verbraucher angekommen
ist, kann dieses nicht mehr vom Hund verwertet werden, da es ja nicht haltbar
gemacht werden kann.
Auch ist es nach der deutschen Gesetzgebung erlaubt, dass die Industrie „keine
Zusatzstoffe“ aufdrucken muss, wenn sie nicht selber etwas hinzufügen. Das
bedeutet, dass sie bereits künstlich angereicherte Bestandteile einkaufen und so
auf ihrer Verpackung stehen haben „ohne Zusatzstoffe“.
Auch wird man nur in den seltensten Fällen den Zusatzstoff Salz auf einer
Verpackung finden können. Salz ist jedoch ein Lockstoff und erhöht die Akzeptanz
beim Tier. Auch Salz muss nicht künstlich zugefügt werden sondern kann aus der
Verwendung von tierischem Urin (der mit unter die tierischen Nebenprodukte
fällt) dem Futter hinzugefügt werden.
Jedes Trockenfutter besteht mindestens aus 40 % Getreide da sie sonst
ihre in Form gepresste Struktur nicht beibehalten könnten. Aus diesem Grund
steht das Getreide leider auch meist an erster Stelle der Zusammensetzung.
Sollte es nicht an erster Stelle stehen, liegt dies allein daran, dass die
Getreidesorten einzeln aufgeführt werden, so dass die Gesamtmenge an
Fleisch/Tierischen Nebenerzeugnissen größer ist als die einzeln aufgeführten
Getreidesorten.
Dass Getreide den Hauptbestandteil des Futters für einen Fleischfresser
ausmacht, finde ich sehr zweifelhaft, da der Magen und die Verdauungssäfte nicht
für die Aufschlüsselung von Getreide ausgelegt ist. Zudem werden die Magensäfte
beim Hund erst produziert, wenn der Schlüsselreiz Fleisch erfolgt. Dies ist
natürlich nur schwer möglich wenn kaum Fleisch im Futter enthalten ist. Deshalb
wird der größte Teil auch nur angedaut und kaum verwertet wieder ausgeschieden.
An dieser Stelle möchte ich gerne Susanne (Sirius und Remus Züchterin) zitieren,
die dies wie ich finde mehr als passend wie folgt beschreibt:
„Barf macht den Fleischfresser Hund nicht zu einem Getreidefresser, wie es
durch die meisten Industriefutter geschieht. Das äußert sich z.B. in geringen
und gut geformten Kotmengen, da der Hund die meisten Inhaltsstoffe der
Rohernährung sehr gut verwerten kann. Sollte ihr Hund genauso große Haufen
produzieren, wie er gefressen hat, so spricht das nicht für das Futter.“
In den meisten Fällen stinken „Trockenfutterhäufchen“ um ein vielfaches mehr
als die eines mit frischem Fleisch gefütterten Hundes.
Ich will keinesfalls das Industriefutter schlecht reden sondern nur einen kleinen Denkanstoß bieten. Zudem möchte ich keinem meine/unsere Meinung aufdrängen, dass nur ein mit rohem Fleisch ernährter Hund ein gesunder und glücklicher Hund ist. Jeder sollte seinen Hund so ernähren, wie er es möchte, nur wäre es schön, wenn jeder sich ein wenig mit der Fütterung seiner Hunde auseinander setzt.
| ©2007-2010 Dana Zimmermann/Daniel Köhler | Letzte Änderung: 07.06.2010 19:42 h |